Das Habitat Augsburg e.V.

Kunststoff Recycling

Der Kreislauf

Plastik. In den 1920er Jahren ein vielversprechender Werkstoff. Zähelastisch, stoßfest, hitzebeständig und hervorragend zur Imitation von tierischen Produkten wie Elfenbein und Horn. Kunststoff wird oftmals mit geringer Wertigkeit und dem Gegenteil von Nachhaltigkeit verbunden. Dieses negative Image liegt an den Herstellungs- und Verarbeitungsweisen der letzten Jahrzehnte, sprich an übermäßigen Produktionen ohne einen Closed Loop, dem Fehlen einer durchgehenden Kontrolle und daran, dass Kunststoff kaum über die Produktlebenszeit hinaus verwertet wird und wurde. Die Mitglieder der weltweiten Bewegung “Precious Plastic” haben es sich zur Aufgabe gemacht einen Schritt weiter zu denken. Jedes Mitglied unserer Gesellschaft nimmt selbst am Recyclingkreislauf teil: Das können Institutionen und Makerspaces mit Open-Source-Plänen für Maschinen ermöglichen, beispielsweise zum Schreddern und Einschmelzen von schon vorhandenen Kunststoffen. Nur so kann Kunststoff am Ende des Kreislaufs wieder wie eine Ressource behandelt werden. Aus einer Notwendigkeit entstand das gemeinschaftlich getragene Projekt, da Kunststoffrecycling durch die zu hohen Kosten für viele Großunternehmen bisweilen nicht wirtschaftlich ist und diverse Kunststoffe nur unter Verwendung von Weichmachern und umweltschädlichen Chemikalien wiederverwertbar gemacht werden kann. Das Projekt zielt nicht nur darauf ab, mehr Möglichkeiten zur Wiederverwertung zu bieten, sondern auch bei den Verbrauchern ein Bewusstsein zu schaffen für den eigenen Konsum und welche Folgen dieser haben kann. In Kombination mit weiteren Projekten kann auf das Einbringen von neuem Kunststoff in den Produktlebenszyklus verzichtet werden.

Verantwortungsvolles Konsumverhalten

Das Bewusstsein darüber, dass unser Konsum der Grund für die Verschmutzung ist, wächst stetig. So ist auch klar, dass einer der Schlüssel Charaktere in der Lösung des Problems der Konsument sein wird. Die meisten Nutzer wissen nicht was sich hinter Begriffen wie “PP” und “PE” verbirgt. Eine nutzerorientierte Marketing Kampagne klärt darüber auf welcher Kunststoff sich überhaupt nachhaltig recyceln lässt und welcher eben nicht. So kann der Verbraucher schon beim Kauf entscheiden zu welchem Produkt er künftig greifen wird. Diese Aufklärung soll zum einen mit sogenannten “Collection Points”, die über das Stadtgebiet verteilt sind, ermöglicht werden, aber auch mit anschaulichem Infomaterial. Hierbei kann mit Hochschul internen Organisationen wie beispielsweise HSA-Transfer zusammengearbeitet werden, um gemeinsam mit den Kommunikationsdesign Studenten der Fakultät Gestaltung eine Kampagne zu planen. An diesen Sammelpunkten wird im Rahmen von Kinderworkshops, Schulausflügen, Firmenveranstaltungen und regelmäßigen Infoveranstaltungen gemeinsam Kunststoff sortiert und darüber informiert was sich hinter den Abkürzungen jeweils verbirgt und wie mit diesem Wissen umgegangen wird.

Recycling

Neben den Sammelpunkten sind Recyclingstationen ein wichtiger Bestandteil des Systems. Mithilfe von Open-Source-Plänen können so Maschinen gebaut werden die die Wiederverwertung des Wertstoffs durch den Nutzer ermöglicht. Die Infrastruktur hierfür können Institutionen wie Hochschulen, offene Werkstätten, Makerspaces und FabLabs bilden und bereitstellen. Auch gibt es die Möglichkeit auf der Community-Plattform der Initiative “Precious Plastic” diese Maschinen zu erwerben, die meist in Entwicklungsländern hergestellt werden und dort als Bildungsmedium dienen. Von der Reinigung, über das Schreddern bis hin zum Schmelzen, wird der gesamte Zyklus des Plastik Recycling abgebildet. Das Endprodukt kann dann die unterschiedlichsten Formen annehmen. Ob Plattenware, Druckgussteile oder Filament für den 3D-Druck, hier ist vieles möglich und lässt dem Nutzer die gestalterische Freiheit selbst zu entscheiden was entstehen kann.